Lexikon

Seide

Unter Seide versteht man eine feine Faser, die aus dem Larvenkokon der Seidenspinner gewonnen wird. Sie besteht überwiegend aus Protein und ist die einzige textile Endlos-Faser, die in der Natur vorkommt. Ihr künstlich hergestelltes Pendant ist Viskose. Ursprünglich stammt Seide aus China, wo sie zuerst vor ca. 5000 Jahren entdeckt wurde. Später verbreitete sie sich nach Japan, Korea, Indien, Persien und nach Europa. Heute zählen neben China, Indien und Japan auch Brasilien und Thailand zu den wichtigsten Seidenproduzenten.

Maulbeerseide – die Hochwertigste

In den häufigsten Fällen ernähren sich die Nachkömmlinge der Seidenspinner von den Blättern des Maulbeerbaums, weshalb es sich bei einem Großteil der Seidenstoffe um die hochwertigste Form, nämlich Maulbeerseide, auch Haspelseide genannt, handelt. Doch wie wird Seide hergestellt? Sie wird gewonnen, indem die unversehrten Kokons des in Farmen gehaltenen Nachwuchses der Seidenspinner geerntet, eingeweicht und schließlich in einem durchgängigen Filament abgewickelt werden. Man braucht ungefähr 3000 von diesen Hüllen, um eine Menge von 250 g Gewicht zu erreichen. Diese Seide ist in der Herstellung recht aufwendig, was sich dementsprechend auch im Preis der daraus gefertigten Textilien niederschlägt. Eine Sonderform dieser Seide, stellt die Dupionseide dar, die aus dem Seidengarn gehaspelt wird, in dem zwei Seidenraupen gehaust haben. Sie weist eine etwas unregelmäßigere Struktur und wird vor allem in Indien produziert.

Wildseide – die Unregelmäßige

Die in der freien Wildbahn gewonnene Variante der Seide wird als Wildseide, oder auch Tussah-Seide, bezeichnet. Hierbei handelt es sich um die Verpuppungshülle der wildlebenden Seidenspinner, beispielsweise dem Tussahspinner, der sich von Eichenblättern ernährt. Diese wird geerntet, nachdem die Larven die Transformation zum Schmetterling abgeschlossen haben und geschlüpft sind. Diese Seide gleicht in ihren Eigenschaften grundsätzlich denen der Maulbeerseide, hat jedoch ein gröberes, unregelmäßigeres, gold-gelbes Erscheinungsbild. Aufgrund dieser Struktur werden Farben auch unregelmäßig reflektiert und sie erscheinen auf Textilien aus Wildseide gebrochen.

Schappseide – die Preisgünstige

Für Schappeseide werden die mittellangen Fäden, die bei der Verarbeitung von Maulbeerseide zurückbleiben, genutzt. So ergibt sich ein Gewebe, das matter und weicher erscheint. Die wiederum bei der Herstellung von Schappeseide abfallenden Reste werden in Form von Bouretteseide weiterverarbeitet. Sie gilt als minderwertigste und deshalb auch preisgünstigste Seide, da sie nur aus recht kurzen Fasern zusammengewebt ist und dementsprechend nicht die Robustheit von gezüchteter Seide aufweist.

Seide-Eigenschaften

Seidenstoffe besitzen eine schimmernde Optik, geschmeidigen Griff, sind sehr leicht, elastisch und formbeständig, verfügen über ausgezeichnete Fähigkeiten zur Temperaturregulierung und sind äußerst reißfest. Überdies ist Seide sehr saugfähig, trocknet schnell und ist verglichen mit Baumwolle oder Leinen recht knitterarm. Aus diesem Grund wird Seide gern auch im Bereich von Bettwaren und Bettwäsche eingesetzt. Da reine Seide sich in der Pflege recht anspruchsvoll erweist, da sie entweder gar nicht oder nur kalt gewaschen werden kann, kommen hier vor allem die gröberen Seidenarten, wie zum Beispiel Wildseide zum Einsatz.