Tipps gegen Bruxismus – so werden Sie Zähneknirschen ohne teure Schiene los

Zahnarzt mit Mundschutz untersucht einen Patienten

Kann ein bisschen Zähnepressen oder Zähneknirschen (Bruxismus) wirklich so schlimm sein? Na ja… wenn ich etwas mit den Händen nicht gelöst bekomme, nehme ich die Zähne zu Hilfe. Schließlich ist die Kaumuskulatur sehr kräftig und bringt es beim Menschen auf eine Knirschkraft von bis zu 480 kg pro cm². Meistens knirschen wir im Schlaf, was bedeutet, dass Sie Ihr Gebiss nachts mit dem Gewicht von 6 gut gebauten Erwachsenen belasten. Zähneknirschen beziehungsweise Bruxismus ist eine Volkskrankheit, allerdings ist Stress nicht die einzige Ursache für das nächtliche Mahlen. Wenn Sie oft und lange Knirschen, können die Folgen so gravierend sein, dass Ihre Zähne praktisch den ganzen Körper krank machen.

Bruxismus tritt hauptsächlich in der Nacht auf

Bruxismus verursacht Geräuschbelästigung für den PartnerEine unwillkürliche Kau- und Mahlbewegung im Schlaf oder ein Zusammenpressen der Kiefer bei starker Konzentration sind typisch für Bruxismus. Die Bewegungen des Kiefers erfüllen keinen Zweck wie das Zerkleinern der Nahrung, darum nennt man Bruxismus auch Parafunktion. Genauso wie das Herumkauen auf der Wange, den Fingernägeln oder einem Bleistift, knirschen wir unbewusst mit den Zähnen, selbst wenn wir wach sind. Der Partner bemerkt den Bruxismus im Schlaf als Erstes, die Knirscher selbst wachen davon nicht auf, obwohl das Geräusch so angenehm ist wie Nägel auf einer Tafel. Im Traumschlaf verhindert die Schlafparalyse jede Bewegung, aber im Tief- und Leichtschlaf können wir den Kiefer bewegen, ohne bei Bewusstsein zu sein.

Zähneknirschen im Schlaf – Symptome für Bruxismus

Frau mit VampirzähnenBruxismus wird meistens zufällig vom Zahnarzt festgestellt, wenn Sie nicht von Ihrem Bettnachbarn oder Zimmergenossen auf die nervige Angewohnheit hingewiesen werden. Aber sogar ein Laie kann bei starkem Zähneknirschen, die abgeschliffenen und teilweise rissigen Oberkanten der Zähne erkennen. Vorher lassen sich auch andere Zeichen feststellen, die sich erstaunlich weit von den Zähnen entfernen.

  • Verspannungen in Gesichts-, Nacken- und Schultermuskulatur
  • Kopf- und Kieferschmerzen
  • Ohrenschmerzen oder Tinnitus
  • Schwindelgefühl

Diese Symptome können natürlich viele Ursachen haben. Schmerzen im Gesicht sind aber sehr typisch, besonders auf Höhe des Kiefers. Beim Zähneknirschen wird die Kaumuskulatur übermäßig beansprucht, denn im Schlaf haben wir keine Kontrolle darüber, wie fest wir zubeißen. Wer schon lange knirscht, sieht sogar eine Vergrößerung der Kaumuskeln, die durch das starke Knirschen im Schlaf bis zu 45 Minuten Krafttraining durchlaufen. Der Grund, warum Sie beim Bruxismus sogar Kopfschmerzen bekommen, ist, dass sich die Kaumuskeln bis in die Schläfen ziehen.

Folgen von Bruxismus – von Zahn- bis Rückenschmerzen

Frau hält sich nach dem Aufstehen den schmerzenden RückenDurch die unnatürliche Belastung beim Bruxismus können Zähne stark beschädigt werden. Zahnschmelz kann reißen und splittern, nicht nur an der Knirschkante, sondern sogar am Zahnhals. Das wiederum sieht nicht nur furchtbar aus, es macht Ihre Zähne auch sehr instabil und schmerzempfindlich. Eine häufige Folge von Bruxismus ist die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), eine Fehlregulation aller beim Kauen beteiligten Gelenke und Muskeln. Die Verspannungen in Kiefer und Nacken führen oft zu einer Schonhaltung, die auf lange Sicht die Stellung von Wirbelsäule und Becken verändern kann. Schmerzen im Lendenwirbel vom Zähneknirschen? Das ist gar keine Seltenheit, denn auch wenn Muskelgruppen weit voneinander entfernt sind, wirken sie aufeinander. So entsteht als Begleiterscheinung von Bruxismus oft ein Tinnitus, ein Pfeifgeräusch, das durch den permanenten Druck auf das Innenohr entsteht. Das Zähneknirschen wirkt sich negativ auf die Schlafqualität aus, denn nach einer durchknirschten Nacht wacht man von Nackenschmerzen auf und fühlt sich wie erschlagen.

Zähneknirschen durch Stress und Zahnprobleme

Mann vor Laptop massiert sich den NackenAls Ursache für Bruxismus haben Zahnärzte oft Kieferschiefstand, schlecht sitzende Brücken oder zu große Kronen gesehen. Eine Art Fremdkörper wird im Mund wahrgenommen, den wir durch das Knirschen unbewusst beseitigen wollen. Bei kleinen Kindern mit Milchgebiss kommt das sehr häufig vor, denn hier wachsen die Kiefer noch, sodass die Zähne einander tatsächlich im Weg stehen. Bis die richtigen Zähne kommen, ist das auch unproblematisch. Bei Erwachsenen spielen aber nicht nur kieferchirurgische Probleme mit hinein. Die meisten Menschen knirschen im Laufe ihres Lebens ab und an, am häufigsten zwischen 30 und 45 Jahren. Bruxismus ist wahrscheinlich eine Stressreaktion, die sowohl tagsüber als auch in der Nacht einsetzt. Das Zähnepressen am Tage ist weniger schlimm als das Zähneknirschen bei Nacht, denn Reibung richtet mehr Schaden an als Druck. In stressigen Lebensphasen nimmt das Knirschen im Schlaf oft zu und tritt auch zusammen mit anderen Schlafstörungen wie Schlafapnoe auf.

Was tut der Zahnarzt bei Bruxismus?

Eine Aufbissschiene aus Kunststoff wird zum Mund geführtBruxismus oder craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann man behandeln, auch wenn die Ursachen nicht wirklich geklärt sind. Eine erste Maßnahme, die Ihr Zahnarzt ergreifen wird, ist eine Aufbissschiene gegen Zähneknirschen. Das Kunststoffgebilde wird genau an Ihren Oberkiefer angepasst und bei Nacht einfach darüber gestülpt. So werden zumindest die Schäden an den Zähnen verhindert, weil sich die Kiefer nicht mehr berühren. Sie können trotzdem noch knirschen, denn der Kiefer wird durch die Schiene nicht bewegungsunfähig. Außerdem ist es sehr gewöhnungsbedürftig, mit der Beißschiene im Mund zu schlafen. Wenn das Zähneknirschen durch eine Fehlstellung des Gebisses verursacht wird, erkennt das ein Zahnarzt und kann etwas dagegen unternehmen. Eine Schiene kostet 150 Euro aufwärts, viele Maßnahmen der CMD-Behandlung werden von Krankenkassen in der Regel nicht übernommen, weil die Versicherer die Methoden nicht als bewiesen ansehen. Wird das Knirschen entdeckt, bevor größere Schäden zu sehen sind, lohnt es sich, auch andere Maßnahmen zu ergreifen.

Die falsche Schlafumgebung fördert Zähneknirschen

Minimalistisch eingerichtetes Zimmer mit Futon-BettDas Schlafzimmer sollte ein Ort der Ruhe sein, in dem Sie sich wohl fühlen. Das hilft nicht nur gegen das nervöse Zähneknirschen bei Nacht, sondern gegen alle Schlafprobleme. Ob Sie sich an die Feng Shui Schlafzimmer Tipps halten möchten oder Ihren eigenen Stil durchsetzen, ist egal. Das Schlafzimmer ist nicht die Wäschekammer, der Stauraum und schon gar kein zweites Fernsehzimmer. Auch wenn es Sie früher nicht gestört hat! Dezente Farben, frische Luft und sanftes Licht schaffen eine Umgebung, die Sie schon beim Betreten des Raums beruhigt. Das Bett sollte bequem und an Ihre Bedürfnisse angepasst sein. Bruxismus kann Rückenprobleme verursachen, aber umgekehrt funktioniert das auch. Wer sich unbequem bettet, bei dem lassen verspannte Muskeln, Zähneknirschen und Schlaflosigkeit nicht lange auf sich warten. Außerdem reduziert gesunder Schlaf Stresshormone, sodass Sie praktisch über Nacht etwas gegen Ihre innere Anspannung tun können. Bruxismus ist keine Krankheit oder wird von Muskelzuckungen ausgelöst wie etwa ein Tremor. Wenn keine zahnmedizinischen Probleme vorliegen, ist Knirschen wahrscheinlich eine Art Stressbewältigung im Schlaf, so wie Alpträume. Darum kann man das Phänomen mit Maßnahmen lindern, die auch gegen andere Schlafstörungen helfen.

Entspannung und Schlafhygiene

Frau sitzt im Lotus-Sitz und meditiertTemporärer Stress ist ganz normal und wird von vielen Menschen gerne weggeknirscht. Bei anderen kommen auch Einschlafprobleme oder Insomnie dazu. Eine bessere Schlafhygiene hilft bei vielen dieser Probleme. Der Verzicht auf schweres Essen, Alkohol und Nikotin am Abend lässt Sie ruhiger schlafen, eine Fernsehpause von einer Stunde vor dem Zubettgehen bringt die nötige Bettschwere. Sich bei Stress zum Sport oder zur Meditation aufzuraffen, fällt verständlicherweise schwer. Trotzdem wirken Ausdauersport am Nachmittag oder Tai Chi am Abend sehr effektiv gegen die innere Unruhe. Autogenes Training oder Meditation nach Yoga Nidra sind die entspannende Alternative für Sportmuffel, die zwar nicht auf die Muskeln, aber auf den angespannten Geist wirkt.

Selbstbeobachtung bei Wachbruxismus

Bunte Post Its werden an eine Glasscheibe geklebtAchten Sie auf sich selbst: wann kneifen Sie tagsüber die Zähne zusammen? Meistens passiert das beim Arbeiten, beim Sport, in Diskussionen, vielleicht auch in der überfüllten Bahn. Wer zum Bruxismus neigt, tut das auch, wenn er im Wachzustand angespannt oder konzentriert ist. Es hilft, in diesem Fall kleine Denkzettel zu benutzen. Ein auffälliger Post-It am Arbeitsplatz, ein heller Punkt auf der Uhr oder ein Sticker an der Armatur des Autos können Sie daran erinnern, dass Sie eben nicht immer die Zähne zusammenbeißen müssen. So lernen Sie, sich bewusst zu entspannen, können den Kiefer lockern oder die angespannten Muskeln leicht massieren. Zähneknirschen ist eine Angewohnheit, die man mit so kleinen Hilfsmitteln auch wieder loswerden kann.

Ganzheitliche Therapie gegen Bruxismus und CMD

Junge Frau liegt entspannt auf einer WieseEine craniomandibuläre Dysfunktion entsteht nicht über Nacht, aber sie fällt trotzdem in den Bereich der Schlafstörungen. Es macht keinen Sinn, nur die offensichtlichen Schmerzsymptome zu behandeln. Mit Aufbissschienen können Sie die Zähne schützen, während mit Hilfe von Sport oder Physiotherapie Verspannungen und Fehlstellungen beseitigt werden müssen. Bei starkem Stress oder Anzeichen einer Angststörung ist das nächtliche Zähneknirschen nur ein kleiner Teil des Problems. Zahnärzte, die sich auf eine ganzheitliche Methode einlassen, raten Ihnen möglicherweise zu Massagen oder sogar einer kognitiven Verhaltenstherapie. Auch wenn es erst einmal merkwürdig erscheint, mit Zahnschmerzen zu kommen und mit einer Überweisung zum Physiotherapeuten zu gehen, können diese Maßnahmen mehr ausrichten als eine simple Zahnschiene. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt machen sie frühzeitig auf das Knirschen aufmerksam, damit Sie etwas dagegen unternehmen können, bevor kostspielige Kieferchirurgie nötig wird.